Gemeinsam die Bioökonomie von morgen gestalten. Ein Rückblick auf das 18. BioZ-Bündnistreffen

Was für zwei intensive und inspirierende Tage im Palmenhaus Erfurt! Unser diesjähriges BioZ-Kolloquium hat einmal mehr gezeigt, wie viel Innovationskraft und Leidenschaft in unserem Bündnis stecken. Wir haben uns sehr gefreut, so viele bekannte und neue Gesichter in dieser besonderen Kulisse begrüßen zu dürfen. Im Mittelpunkt standen zukunftsweisende Projektskizzen und spannende Projektideen, die eindrucksvoll bewiesen, welche Richtung die Bioökonomie einschlagen kann. Ein herzliches Dankeschön an alle Teilnehmenden! Durch Ihre Impulse, das wertvolle Feedback beim Gallery Walk und die darauffolgenden, äußerst spannenden Diskussionen wurde dieses Kolloquium zu einem echten Meilenstein für die Weiterentwicklung unserer Vorhaben.
Impulse für den Wandel: Gesellschaftliche Transformation gestalten
Ein besonderes Highlight im Programm war der Beitrag von Jan Phillip Kamlage, welcher der Frage nachging, wie der Wandel hin zu einer nachhaltigen Wirtschaft gelingen kann. Die Präsentation machte deutlich, dass technische Innovationen allein nicht ausreichen – wir stehen vor einer umfassenden gesellschaftlichen Transformation, die tief in unsere Lebens- und Produktionsweisen eingreift.
Dabei wurden drei zentrale Dimensionen des Wandels beleuchtet:
- Die systemische Perspektive (System): Der Übergang von einer fossilbasierten Linearwirtschaft zu einer biobasierten Kreislaufwirtschaft erfordert das Aufbrechen etablierter Pfade und die Neugestaltung ganzer Wertschöpfungsketten.
- Die Perspektive der Akteure (Akteure): Ein solcher Wandel gelingt nur im Zusammenspiel aller Beteiligten. Es gilt, Netzwerke aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft eng zu verknüpfen und Vertrauen in neue Technologien aufzubauen.
- Die alltägliche Praxis (Praxis): Nachhaltige Alternativen müssen im Alltag der Menschen ankommen und handhabbar werden. Konsumgewohnheiten und industrielle Prozesse müssen sich gleichermaßen weiterentwickeln.
Die Kernbotschaft war klar: Regionale Innovationsbündnisse wie BioZ spielen eine Schlüsselrolle, da sie als Reallabore fungieren, in denen genau dieses Zusammenspiel von Technologie, Wirtschaft und Gesellschaft erprobt und aktiv vorangetrieben wird.
Textilforschung trifft Bioökonomie: Wege und Werkzeuge
Dr. Heike Illing-Günther vom Sächsischen Textilforschungsinstitut e. V. (STFI) setzte den Fokus auf ein konkretes, innovationsstarkes Anwendungsfeld, die nachhaltige Textilindustrie. Unter dem Titel „Textilforschung trifft Bioökonomie“ zeigte sie eindrucksvoll, wie biobasierte Werkzeuge und neue Verfahren den Weg für zukunftsfähige Textilinnovationen ebnen.
Ein zentraler Schwerpunkt ihres Vortrags war die Kaskadennutzung pflanzlicher Rohstoffe. Am Beispiel von Holz veranschaulichte sie, wie durch mechanische, chemische und enzymatische Prozesse wertvolle Bestandteile wie Cellulose, Lignin und Fibrillen isoliert werden können. Diese dienen wiederum als Grundlage für neuartige Vliesstoffe und chemische Stoffwandlungen. Das STFI setzt hierbei auf eine enge Verknüpfung von Materialwissenschaft, moderner Analytik und Digitalisierung (inklusive KI-gestützter Verfahren), um biobasierte Grundstoffe effizient zu verarbeiten und in zirkuläre Wertschöpfungsketten zu integrieren.
Grüne Jobs für die Zukunft: Vorhang auf für TOMORROWORK!
Um den Wandel zur Bioökonomie langfristig zu sichern, braucht es nicht nur Technologie und Rohstoffe, sondern vor allem die klugen Köpfe von morgen. Genau hier setzt die neue Plattform TOMORROWORK an.
Als spezialisierte Job-Plattform für grüne Berufe schlägt sie eine Brücke zwischen nachhaltig agierenden Unternehmen und der Gen Z. Die junge Generation wird oft unterschätzt. Für über eine Million junge Talente sind Sinnhaftigkeit und Nachhaltigkeit die entscheidenden Faktoren bei der Berufswahl. TOMORROWORK bündelt die Stärken Mitteldeutschlands und macht zukunftsweisende Branchen wie die Bioökonomie und die Kreislaufwirtschaft sichtbar. Mit über 150 vorgestellten Berufsbildern und digitalem Recruiting mit wenigen Klicks bietet die Plattform unserem Bündnis eine einmalige Chance, dringend gesuchte Fachkräfte für die „Green Economy“ zu begeistern.

Zukunftsweisende Projektskizzen im Rampenlicht
Am ersten Tag des Kolloquiums stellten im zweiten Teil des Tages fünf Teams ihre Projektskizzen vor. Mit innovativen Ansätzen bewarben sie sich um eine Förderung durch den Projektträger Jülich.
Die anspruchsvolle Aufgabe, die Einreichungen zu prüfen, lag beim BioZ-Beirat. Nach spannenden Präsentationen und intensiven Diskussionen im Plenum des Beirats stand am Ende des Treffens die Entscheidung fest. Drei der fünf vielversprechenden Skizzen erhielten die Förderung und können ihre Ideen nun in die Praxis umsetzen.
Herzlichen Glückwunsch an die folgenden Projekte! Wir wünschen euch viel Erfolg bei der Umsetzung!
- BioLös
- Gegenstand: Entwicklung vollständig biobasierter und bioabbaubarer Lösemittel bzw. Additive auf Polysaccharidbasis (Veresterung von Polysacchariden mit Fettsäuren) für den Einsatz in industriellen Reinigungsanwendungen.
- Ziel & Motivation: Eine direkte Reaktion auf verschärfte regulatorische und gesellschaftspolitische Anforderungen, um fossile Komponenten erfolgreich durch nachhaltige Rohstoffe zu substituieren.
- RePowder
- Gegenstand: Herstellung von pulverförmiger Mikro- und nanokristalliner Cellulose (MCC/NCC) aus Polyester-Baumwoll-Textilabfällen (PES/CO).
- Ziel & Motivation: Schließung des Stoffkreislaufs für weit verbreitete Mischgewebe aus Polyester und Baumwolle, für die es bislang meist nur Down-Cycling gibt, um hochwertige Rohstoffe für neue industrielle Anwendungen zurückzugewinnen.
- BioPhy-Connect
- Gegenstand: Entwicklung einer funktionalen Biopolymerfaser durch die Vernetzung von Cellulose, Proteinen und Phytinsäure.
- Ziel & Motivation: Eine gezielte Lösung zur Reduzierung des enormen Mikroplastikaustrags, der beispielsweise durch das Waschen herkömmlicher Polyester-Textilien entsteht.
Keimzellen für morgen: Frische Projektideen im Schnelldurchlauf
Direkt im Anschluss an die spannenden Projektskizzen richtete sich der Blick noch weiter nach vorne. Die Projektideen befinden sich zwar noch in einem frühen Stadium, zeigen aber bereits jetzt ein großes Potenzial für zukünftige BioZ-Vorhaben.
- Hairstyling-Polymer
- STAR4PBS
- CAFESTOL
- Extru-Starch
Aufbruch und Vernetzung: Der zweite Tag des BioZ-Kolloquiums

Nach einem ersten Tag voller frischer Ideen und wegweisender Konzepte startete der zweite Tag im Palmenhaus Erfurt mit gebündelter Fachkompetenz und dem klaren Fokus auf die Überführung von der Forschung in den industriellen Markt.
Impulse für die Zukunft: Die Brücke in den Markt schlagen
Der Vormittag stand im Zeichen dreier hochkarätiger Impulsvorträge, die den Weg von der reinen Innovation hin zur skalierten Anwendung beleuchteten:
- Von WIR! zu F.A.S.T. – Die Brücke in die Zukunft
- Inhalt: Ramon Kucharzak vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) zeigte die strategischen Perspektiven auf, wie aus den regionalen WIR!-Bündnissen verstetigte, zukunftsfähige Strukturen der Bioökonomie wachsen können.
- Maßgeschneiderte Feedstocks für biobasierte Prozesse
- Inhalt: Dr. Gerlis von Haugwitz (Ferm Base by CREMER) verdeutlichte eindrucksvoll, dass das richtige Wachstumsmedium und maßgeschneiderte Rohstoffströme das fundamentale Fundament für ein erfolgreiches Scale-up in der industriellen Biotechnologie bilden.
- Follmanns Weg zu biobasiertem PVC-Plastisol
- Inhalt: Wie die grüne Transformation in der Spezialchemie für industrielle und bautechnische Anwendungen ganz konkret aussieht, demonstrierte Jan Zanker (Follmann Gruppe) anhand der Umstellung auf nachhaltige, biobasierte PVC-Plastisole.
Das Transfer-Café: Praxis-Check und laufende Projekte im Fokus

Im zweiten Teil des Tages verwandelte sich das Kolloquium in eine interaktive Netzwerk-Plattform, das Transfer-Café. In fünf parallelen Themenstationen (Skalierung, Markt, Kommunikation, Nachhaltigkeitsbewertung und Feedstock) ging es um den direkten Austausch mit Partnern und die Überwindung praktischer Hürden.
Flankiert wurde dies von 5-Minuten-Pitches zu bereits laufenden BioZ-Projekten, die ihren aktuellen Stand präsentierten:
- Bio-GOS: Biosynthese von Galactooligosacchariden in Sauermolke und Molkenpermeat – zur Verwertung von Restströmen der Milchindustrie (Hochschule Anhalt / frischli GmbH).
- SysWeb: Systematische Identifizierung neuer regionaler Wertschöpfungsnetze der Bioökonomie (Fraunhofer CBP).
- NachDruck: Entwicklung nachhaltiger und regionaler Lösemittel für Rollenoffset-Druckfarben (Schuite & Schuite Druckfarben GmbH).
- BioDeta: Biobasierte oberflächenaktive Tenside für den gezielten Einsatz in industriellen Prozessmedien (Intelligent Fluids GmbH / Fraunhofer IGB).
Ein runder Abschluss
Nach intensiven Diskussionen an den Thementischen, bei denen unter anderem die Lücke zwischen Nachhaltigkeitstheorie (wie LCA/PCF-Bewertungen bei niedrigen Reifegraden) und der industriellen Praxis debattiert wurde, schloss das 18. Bündnistreffen mit dem finalen Beiratsurteil. Bei einem gemeinsamen Lunch konnten die Teilnehmenden das Erlebte Revue passieren lassen, neue Kontakte knüpfen und die Heimreise mit einer Menge frischer Inspiration im Gepäck antreten.

Mitteldeutschland zeigt: Die Bioökonomie der Zukunft wird hier und jetzt gemeinsam gestaltet!
Für mehr Details, sehen Sie sich gerne die spannende Präsentation der zwei Tage an!
261125_BioZ-Buendnistreffen_18.pdf
30. Juni 2026 · 20 MB
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Zuletzt aktualisiert am: 30. Juni 2026, 15:31
