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Neue Wege für Reststoffe und Wertschöpfung

Wie lassen sich Rest- und Nebenstoffströme aus der Ernährungswirtschaft sinnvoller nutzen? Diese Frage stand im Zentrum der Projektwerkstatt der Wirtschaftsförderung Sachsen am 10. Juni 2026 in Plauen. Gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Wirtschaft und Transfer diskutierten wir neue Wege, um Reststoffe in hochwertige Produkte, Materialien und chemische Grundstoffe zu überführen.

Die Veranstaltung machte deutlich, wie groß das Potenzial in Stoffströmen ist, die bislang oft nur als Futtermittel, Brennstoff oder Biogas genutzt werden. Fachimpulse, Unternehmenspitches und Thementische zeigten zahlreiche Ansätze – von Fermentationstechnologien über innovative Lebensmittel bis hin zu biobasierten Werkstoffen und chemischen Plattformprodukten.
Besonders praxisnah wurde es beim Blick auf die Rubinmühle Vogtland, die beispielhaft zeigte, wie sich klassische Mühlenstrukturen zu modernen, vielseitigen Industriepartnern entwickeln können.

Von der Mühle zum High-Tech-Dienstleister

Der Tag startete mit einem faszinierenden Blick in die Praxis: Christopher Rubin, Geschäftsführer der Rubinmühle Vogtland GmbH, zeigte eindrucksvoll, wie sich eine traditionelle Mühle zu einem modernen, hochentwickelten Dienstleister der Lebensmittelindustrie wandeln kann.

Eine aktuelle Datenerfassung des Projekts SysWeb, die Dr. Fabian Steffler vom Fraunhofer CBP vorstellte, machte deutlich, wie greifbar das Thema Reststoffnutzung für die Betriebe ist: Über 80 % der befragten Unternehmen aus Mitteldeutschland sind aktiv offen für neue, innovative Verwertungswege ihrer Nebenströme. 

Dass es dabei um weit mehr geht als um die „Endstation Futtertrog oder Biogas“, bewiesen die anschließenden Unternehmens-Pitches. Für die Teilnehmenden waren die konkreten Einblicke aus der Produktion besonders spannend: Marc Lüpfert von der FRoSTA AG (Werk Lommatzsch) demonstrierte, welche enormen Potenziale in vermeintlichen Abwässern stecken. Bei der Reisproduktion fallen wöchentlich beachtliche Mengen an Stärkeschlamm sowie wertvolles Kurkuma-Prozessabwasser an. Diese Reststoffe sind dank ihrer wertvollen Inhaltsstoffe viel zu schade für die Entsorgung und eröffnen ganz neue Verwertungshorizonte. 

Die Rubinmühle Vogtland GmbH stellte einen echten Giganten unter den Nebenströmen vor: die Haferspelze. Allein am sächsischen Standort fallen wöchentlich 500 bis 550 Tonnen dieser Spelzen an. Im brandneuen Projekt „FuraKoff” wird nun intensiv daran geforscht, aus diesen Spelzen mittels hydrothermaler Reaktivdestillation die grüne Chemikalie Furfural (eine fossile Alternative für Kunststoffe und Harze) sowie Hydrokohle zu gewinnen.  Ergänzt wurde die Runde durch wertvolle Impulse der Annaberger Backwaren GmbH zum Retourenmanagement und der Meemken Wurstwaren GmbH zu intelligenten Kreisläufen bei tierischen Nebenprodukten.

Thementische im Fokus: Zwischen Kurkumawasser, Haferspelzen und biobasierten Absorbern

In den drei großen Schwerpunktbereichen „Neustart in innovativen Lebensmitteln“, „Wege zu innovativen Materialien und Werkstoffen“ sowie „Grundstoffe für chemische Produkte“ wurden vielseitige Lösungsansätze und kreative Ideen diskutiert. Im Materialbereich stellten Dr. Katja Heise und Dr. Doreen Kaiser von der TU Bergakademie Freiberg unter anderem ein wegweisendes, vom BMBF gefördertes BioZ-Projekt vor. Dabei geht es darum, glutenreiche Reststoffe (wie Weizenpülpe) so zu modifizieren, dass hocheffiziente biobasierte Absorber entstehen, die als Wasserspeicher in der Landwirtschaft oder zur Schadstoffbindung in der Wasserwirtschaft eingesetzt werden können.  Die Diskussionen an den Tischen zeigten eindrucksvoll, wie fließend die Grenzen der Innovationsbereiche sind. Sei es die Nutzung von Hafer-Okara (einem Reststoff der Haferdrink-Produktion) zur biotechnologischen Gewinnung von Verdickungsmitteln, die Gewinnung von hochwertigen Pektinen aus Zuckerrüben für die Pharmazie oder die stoffliche Kaskadennutzung von Kurkumaabwasser und Haferspelzen – die sächsische Wirtschaft und Forschung bewiesen an diesem Tag echten Pioniergeist.

Der krönende Abschluss des Tages war ein exklusiver Rundgang durch die Produktion der Rubinmühle Vogtland GmbH, bei dem alle Teilnehmenden die moderne Verarbeitungstechnologie live erleben konnten. 

Unser Fazit als BioZ: Die Projektwerkstatt hat einmal mehr gezeigt, dass die intelligente Nutzung von Nebenströmen der Schlüssel für eine nachhaltige, biobasierte Wirtschaft in Mitteldeutschland ist. Durch Formate wie dieses und das starke Branchennetzwerk der AgriFoodTech Allianz der Wirtschaftsförderung Sachsen werden genau die richtigen Brücken zwischen Agrar- und Ernährungswirtschaft, Chemieindustrie und Materialforschung geschlagen.

Wir nehmen jede Menge Inspiration und neue Projektansätze mit nach Hause und bedanken uns für diesen eindrucksvollen Tag!

Nächste Termine im BioZ-Kalender: 

Wir danken allen Beteiligten für die inspirierenden Beiträge und freuen uns auf die weitere Zusammenarbeit im Bündnis! 

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Zuletzt aktualisiert am: 15. Juni 2026, 12:19

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