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Druckfrisch und echt nachhaltig: Wie aus Reststoffen die Farben von morgen werden 

Wir alle halten sie täglich in den Händen: Zeitungen, Prospekte oder Magazine. Doch was die wenigsten wissen: In den herkömmlichen Druckfarben steckt ein hoher Anteil an fossilen Mineralölen. Selbst vermeintlich „grüne“ Alternativen auf Basis von Pflanzenölen halten bei genauerem Hinsehen nicht immer, was sie in Sachen Ökobilanz versprechen etwa wenn die Rohstoffe erst um den halben Globus transportiert werden müssen.

Hier setzt das Projekt NachDruck innerhalb des BioZ-Clusters an. Das Ziel ist ebenso ambitioniert wie logisch: Warum wertvolle Ressourcen neu anbauen, wenn wir auf das zurückgreifen können, was bereits da ist? Das Team arbeitet daran, Reststoffe und Abfälle aus anderen Industrien so aufzubereiten, dass sie als Basis für hochwertige Druckfarben dienen können. 

Wir haben mit dem Leiter des Projekts darüber gesprochen, warum „nachwachsend“ nicht gleich „nachhaltig“ bedeutet, welche Rolle Altfette im Zeitungsdruck spielen und warum es an der Zeit ist, den Begriff der Kreislaufwirtschaft in der Druckindustrie endlich ganzheitlich zu Ende zu denken.  


BioZ: Wie würden Sie jemandem „NachDruck“ in wenigen Worten erklären?  

Thomas Fuss: Rollenoffsetfarben bestehen zu 35-55% aus Ölen. Bei konventionellen Systemen sind das zum überwiegenden Anteil Mineralöle, also fossile und damit weder nachwachsende, noch nachhaltige Rohstoffe. Bei mineralölfreien Rollenoffset-Farbserien werden die Mineralöle durch Pflanzenöle oder Pflanzenölderivate ersetzt. In der Praxis bedeutet das, dass wir zwar einen fossilen durch einen nachwachsenden Rohstoff ersetzen, die Farben dadurch aber nicht zwangsläufig nachhaltiger werden, weil der Anbau der Ölpflanzen und der Transport (häufig um den halben Globus) viele Ressourcen in Anspruch nehmen. „NachDruck“ hingegen ist ein wirklich nachhaltiger Ansatz, weil aus Reststoffen (Abfällen!) anderer Industrien neue Rohstoffe für unsere Produkte gewonnen werden und auf diese Weise im Idealfall künftig Tausende Tonnen fossiler Komponenten eingespart werden könnten. 

BioZ: Wir alle lesen Zeitungen oder blättern durch Werbeprospekte. Was ist das „schmutzige Geheimnis“ konventioneller Druckfarben, dass die Lesenden bisher gar nicht sehen? 

Thomas Fuss: Den Begriff „schmutzig“ im Zusammenhang mit konventionellen Druckfarben kann ich so natürlich nicht stehen lassen, aber es ist einfach so, dass es sich bei Offsetfarben um ölhaltige Farbsysteme handelt, d.h. mit irgendeiner „öligen“ Substanz müssen wir unsere Produkte halt herstellen. Bislang werden dafür (sowohl aus technischen, als auch kaufmännischen Gründen) überwiegend Mineralöle verwendet. Die für Druckfarben eingesetzten Typen sind weder gefährlich, noch gesundheitsschädigend (sonst dürften sie für , aber es handelt sich nun mal um eine endliche Ressource und Kohlenwasserstoffe haben in der Wahrnehmung der Menschen auch nicht gerade den besten Ruf! 

BioZ: Wie kann denn aus einem Reststoff wie „Altfett“ die Farbe für ein hochwertiges Magazin werden?

Thomas Fuss:  Fette sind letztlich nichts anderes als feste Öle. Durch vorherige Aufreinigung und entsprechende Modifikation könnte/sollte es also möglich sein, daraus Produkte herzustellen, die den von uns eingesetzten Ölen chemisch und vom Eigenschaftsprofil möglichst „nahe“ kommen. Ehrlicherweise müssen wir aber zugeben, dass wir uns im Rahmen des Projektes „NachDruck“ zuerst mit dem Zeitungsdruck (Coldset) beschäftigen, weil dies aus unserer Erfahrung, technisch leichter zu realisieren sein wird. Der Zeitungsdruck (Coldset) ist aber, im Gegensatz zum Heatset, das „einfachere“ der beiden Rollenoffsetverfahren , d.h. im Coldsetverfahren werden üblicherweise nicht unbedingt die hochwertigen Magazine hergestellt. Für den Heatsetdruck benötigen die Öle, die wir einsetzen zusätzliche physikalische Eigenschaften, die mit Altfetten vermutlich nur schwer zu erzielen sein werden. 

BioZ: Gibt es eine Vision, die Sie persönlich mit diesem Projekt verbinden?

Thomas Fuss: Die Begriffe „Nachhaltigkeit“, „Öko“ oder „Bio“ werden in der Industrie und der gesamten Geschäftswelt, meiner Einschätzung nach, sehr inflationär und nicht immer wirklich sauber und seriös verwendet! Oftmals wird „nachwachsend“ mit „nachhaltig“ gleichgesetzt, obwohl das völlig unterschiedliche Begriffe sind. Verpackungen, die niemals recycelt werden (z.B. Verbundwerkstoffe, wie „Tetrapack“) werden in einer Art von Greenwashing als „recyclierbar“ beworben, wissend, dass der Aufwand dafür viel zu groß ist! Der Wechsel von „fossil“ auf „nachwachsend“ ist ein erster Schritt, aber wirklich sinnvoll wird das ganze erst, wenn man den Rohstoffkreislauf vollumfänglich und ganzheitlich betrachtet. Deshalb ist für uns die Aufbereitung von Reststoffen zur neuerlichen Verwendung als Rohstoff der einzig wirklich nachhaltige Ansatz. Das möchten wir mit diesem Projekt erreichen! 

BioZ: Vielen Dank für das tolle Interview!

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Zuletzt aktualisiert am: 8. Juni 2026, 15:55

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